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Ein Schlitzohr sorgt für gute Augen – Sozialunternehmer David Green

April 25, 2009 · Kommentar schreiben

David Green

David Green (Quelle: Ashoka Changemaker)

David Green mag Zahlen, und besonders mag er Vergleiche. Die er nicht zu scheuen braucht: Mit seinen diversen Initiativen hat er gezeigt, wie sich medizinischer Fortschritt zu den Armen bringen lässt. Ohne grandiose öffentliche Hilfsprogramme, sondern mit Unternehmergeist, einem Verständnis für Marktmechanismen und einer guten Portion Sturheit. Der langjährige Ashoka Fellow nennt dies „compassionate capitalism.“

Über Ohren und Augen.

Blindheit und Taubheit plagen viele Menschen – insbesondere in Entwicklungsländern. Mit drastischen Folgen: Blinde können dort normalerweise ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen, tragen nicht mehr zum Haushaltseinkommen bei, Blindheit ist ein Armutsrisiko. Dazu noch ein unnötiges: Viele Erblindungen lassen sich verhindern, mit einer Operation, wenn die richtige Technologie und ausgebildete Ärzte vor Ort sind.

Doch die Technologie war teuer – bis David Green sich ihrer angenommen hat. Angefangen hat er bei Aravind Eye Care, der berühmten Initiative aus dem Süden Indiens, die mit einem brillianten System Augenoperationen profitabel und, für die Armen, umsonst anbietet. Lange hat Aravind von Herstellern aus den USA gespendete Kunstlinsen zurückgegriffen – doch irgendwann trocknete diese Quelle aus.

Und wie funktioniert es?

Als Antwort hat David Green Aurolab gegründet, als Industrie-Outsider, ein Unternehmen das qualitativ hochwertige IOLs billig produziert und zu vertreibt. Heute ist Ausrolab eines der global führenden Unternehmen in dem Bereich. Wie hat das funktioniert?

  1. Demystifizierung der Kosten: Mit der Annahme „it does not really cost so much to make things“, organisiert David Green die Produktionsabläufe selbst und in Eigenregie.
  2. Unkonventioneller Technologietransfer: Um an aktuelle Technologie zu kommen hat er leitende Mitarbeiter führender Unternehmen abgeworben die, nach langem Experimentieren in ihren alten Unternehmen, qualitativ hochwertige Produkte schnell entwerfen konnten.
  3. Kosequenter Kostenfokus: Und um die Kosten klein zu bekommen, streicht er Margen und Kosten auf allen Ebenen. Ähnlich wie Paul Polack arbeitet er auf konkrete Preisziele hin.
  4. Partnerschaften zum Vertrieb: Um seine Produkte zu verarbeiten arbeitet er mit Partnern zusammen – immer noch vor allem mit Aravind, einer der grössten Abnehmer für Kunstlinsen.

Dass sein Modell nicht nur für IOLs funktioniert zeigt das Affordable Hearing Aid Project, das Hörgeräte für Arme bezahlbar und damit zugänglich macht.

Was heisst hier Erfolg?

David Green geht es nicht um Geld, sondern darum, Märkte zum Wohl der Armen zu transformieren. So ist es ihm egal wenn andere Firmen seinen Modell folgen und ihn unterbieten – schliesslich kommt auch dies den Armen zu Gute. Auch wenn er für die Startphase seiner Projekte auf (oft beträchtliche) Gelder von Stiftungen zurückgreift, ist ihm wichtig das seine Unternehmen auf Dauer profitabel sind. Dann nämlich kann man „leverage“ aufnehmen – einen Teil der Anteile an Investoren verkaufen während man die Kontrolle behält, um das Geschäft auszubauen – zum Wohl der Armen!

Was sind die nächsten Schritte?

Nach Augenoperationen, optischen Medizingeräten und Hörgeräten hat David Green eine neue Herausforderung gesetzt: Solarenergie in arme Gegenden zu bringen, vor allem in Form von „Solar Home Systems“. Auch um seine „alten“ Firmen kümmert er sich weiter – wie kann man die Kosten niedrig halten, und trotzdem in neue Technologien und Geschäftsbereiche zu investieren?

Wo gibt es mehr Informationen?

Wenn man nicht die Chance hat ihn „live“ zu treffen (zum Beispiel neulich als Redner beim Start von Ashoka in der Schweiz), gibt es einen schönen Beitrag zur Historie seiner Projekte im Ashoka Changemaker Portal.

Kategorien: Erfolgreiche Modelle · Gesundheit
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