Nano! Was geht denn da ab?

Mercedes, BMW, Audi: damit fahr ich euch allen davon!

Der Tata Nano wurde am 5. März bei der Genfer Autosalon vorgestellt. Das billigste Auto der Welt soll ab diesem Jahr in Indien für umgerechnet 1700 Euro  verkauft werden. Sollte Deutschland als Nation mit den besten, schönsten und teuersten Autos das interessieren? Drei Gründe sprechen dafür:

Neuanmeldungen Fahrzeuge

1. Schnell wachsende Märkte

Der Nano adressiert die Menschen in Schwellenländern, die in die schnell wachsende Mittelklasse dort aufsteigen – und das sind viele. Ein Blick auf die Neuanmeldungen in Brasilien, China, Indien und Russland zeigt: auch deutsche Autobauer können diese Märkte kaum ignorieren, wenn Sie in Zukunft wachsen wollen.

2. Interessante Zuliefer-Kunden

Der Tata Nano trägt eine ganze Menge deutsche Qualitätsarbeit in sich – gefertigt in Indien. Ob Bosch, Freudenberg, ZF oder Conti – die großen deutschen Automobilzulieferer haben Tata als Kunden gewonnen.


3. Wettbewerb um Heimatmärkte

Disruptive Innovation: mit diesem Schlagwort belegte Innovations-Guru Clayton Christensen solche Innovationen, die zunächst einen vernachlässigten weil wenig anwendungs- oder zahlungsfähigen Markt adressierten, um von dort den gesamten Markt zu erobern. Der Nano hat definitiv disruptives Potential. Ratan Tata hat seine Einführung in Europa und USA bereits angekündigt. Ausgestattet mit drei Zylindern, ABS, fünf Gängen und Airbags soll er ab 2010 in Europa für 5000 Euro zu haben sein. Zudem soll er weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren – weniger als die meisten Kleinwagen. Kleinwagen sind auch in Zeiten der Abwrackprämie der ganz große Renner. Aber wer wird in zwei Jahren noch mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis des Nano mithalten können?

Drei gute Gründe, den Tata Nano ernst zu nehmen, als Chance und als Bedrohung. Die derzeitige Krise der Automobilbranche zeigt deutlich: die großen Märkte in USA und Europa sind gesättigt, Zulieferer sind extrem abhängig von den großen Autobauern, hoher Verbrauch ist nicht mehr gefragt, Klimaschutz wird immer wichtiger. Der Nano prescht hier in eine zukunftsweisende Richtung vor: in neue Märkte, in kleine Klasse, in niedrigeren Verbrauch. Freilicht könnte auch der Nano noch viel umweltfreundlicher sein, und freilich müssen wir uns nach Alternativen zur Mobilität durch das eigene Auto umsehen. Zu beidem können deutsche Unternehmen beitragen – und dabei selbst zukunftsfähiger werden.

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3 Antworten zu Nano! Was geht denn da ab?

  1. Jaja, der Nano. Natürlich brauchen wir Mobilität, aber individuelle, Benzin-basierte Motorisierung? Für mich ist der Nano keine “disruptive Innovation”, sondern rumschrauben an einem Auslaufmodell.

    Interessanter wäre hier: Innovative Elektroautos auf Basis erneuerbarer Energien (Think! Better Place), obwohl auch diese Lösungen die Frage Verkehrssicherheit und Zersiedlung nur bedingt lösen. Oder gleich eine Stadtplanung / Verkehrsplanung, die ein autofreies Leben auch in Entwicklungsländern ermöglicht.

    Gruss vom Mit-Blogger Martin

  2. Woran denkst du Martin? Den Hyp um das angebliche IKEA-Auto, der sich nun als unbegründet herausgestellt hat?
    http://wheels.blogs.nytimes.com/2009/03/24/ikea-creates-buzz-with-mystery-car/
    http://www.roulez-leko.com/

    Zurück zum Nano.
    Am 5.4.2009 wurde der Tata EUROPE , das für den indischen Markt gedachte Modell bereits 2005 vorgestellt. Der ADAC hielt damals eine europaweite Einführung des 1700€-Modells für unwahrscheinlich, da diverse Sicherheitsstandards nicht eingehalten wurden. Soweit die offizielle Begründung.

    Fakt ist jedenfalls, dass einige europäische Autofirmen nicht unglücklich über Tatas Probleme in Singur waren. Politische Aufstände und altes “legal compliance ist hinreichend für gutes Geschäft”-Denken kosteten Tata 350 Mio US-$, zuzüglich der verspäteten Auslieferung des Modells, damit verbundene Mindereinnahmen und einem weltweiten Imageschaden.

    Für die Autobauerkonkurrenz ist der Nano pures Dynamit. Leider auch für unsere Umwelt.
    Ich gebe Martin recht:
    Die mobile Zukunft liegt nicht im individuellen Automobilverkehr.
    Trotzdem taugt der Nano als “second best” Lösung.

  3. Also ob der Nano wirklich pures Dynamit für die Konkurrenz ist, hängt glaube ich doch stark von den Märkten ab, wo er verkauft wird. In Europa ist er nur für eine begrenzte Käuferschicht wirklich interessant, in den USA werden durchschnittlich noch längere Strecken zurückgelegt und die Menschen sind noch größere Autos gewöhnt als in Europa. In den Schwellenländern sieht es natürlich anders aus.

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